In den letzten Jahren wurde auf der AJC-Jungscharfreizeit von Silas G, Mara, Emmylene und Elias das Spiel Jugger gebaut und gespielt. Ursprünglich ist „The Game“ ein „sportlicher“ Wettbewerb aus dem Film „Die Jugger„. Dort hat das Spiel keinen Namen und die Spieler sind die Jugger. Der Film aus dem Jahr 1989 selbst ist ziemlich brutal und nicht für die Jungschar gedacht. Für die Sportart muss man den Film auch nicht unbedingt kennen.
„Das Spiel“ war allerdings die Inspiration für den Mannschaftssport Jugger. Die gefährlichen „Sportgeräte“ aus dem Film wurden beim ersten realen Spiel im Jahr 1993 von einer L.A.R.P.-Gruppe in Heidelberg durch Schaumstoff“pompfe“ ersetzt. Durch klar definierte Regeln wurde einiges an Aggression aus dem Spiel genommen.
In diesem Bericht geht es um den Bau eurer Pompfen und etwas jungschartauglich angepasste Regeln. Die offiziellen Turnierregeln und ausführliche Bauanleitungen verlinke ich.
Jugger ist ein taktisch anspruchsvoller Teamsport, der gemischtgeschlechtlich gespielt wird und Elemente aus Fechtkampf, Ringen und Rugby verbindet.
Gerade für Jungschar- und Jugendgruppen ist Jugger spannend, weil unterschiedlichste Fähigkeiten gefragt sind: Schnelligkeit, Übersicht, Teamplay, Mut – aber auch Rücksicht und Fairness.
Die Kombination aus Einzelsport (Zweikämpfe) und Teamsport (Taktik und Zusammenspiel) macht Jugger besonders vielseitig. Reine Kraft hilft nur begrenzt – kluge Entscheidungen und gutes Zusammenspiel sind deutlich wichtiger.
Grundidee des Spiels
Ein Team besteht aus
- 4 Pompfern (mit Sportgeräten)
- 1 Läufer (Qwik) ohne Pompfe
Ziel ist es, den Jugg (Spielball) ins gegnerische Mal (Zielbereich) zu legen.
Die Pompfer schützen den eigenen Läufer und versuchen gleichzeitig, gegnerische Mitspielende abzuschlagen.
Wird ein Spieler getroffen, muss er kniend eine Strafzeit absitzen.
Die Strafzeit wird im Takt einer Trommel (oder eines Ersatzsignals) gezählt. (Siehe Steine als Spielzeit)

Kurzfassung der Regeln (Jungschar-Version)
Start & Spielfeld
- Zwei Teams stehen sich gegenüber
- Der Jugg liegt in der Mitte
- Auf ein Startsignal geht es los
- Ein Spiel geht über 2 Halbzeiten mit je 100 Steinen
- Das Spielfeld ist etwa 40m lang und 20m breit. An jedem Ende befindet sich ein Mal.
Abschlagen
- Treffer mit der Pompfe zählen nur am Körper
- Kopf, Hals und Schritt sind tabu
- Wer getroffen wurde:
- geht sofort in die Knie
- zählt eine festgelegte Anzahl Steine ab (üblich sind 5)
- darf danach wieder ins Spiel
Der Läufer
- Darf nicht mit Pompfen schlagen
- Darf den Jugg aufnehmen und ins Mal bringen
- Ist besonders schutzbedürftig
Punkt
- Ein Punkt zählt, wenn der Jugg im gegnerischen Mal abgelegt wird
- Danach Neustart aus der Mitte
Fair Play
- Kein Schubsen, Reißen oder Festhalten
- Sicherheit geht vor – MA greifen bei Bedarf ein (LWK)
Steine als Zeiteinheit
Im bereits erwähnten Film werden Steine gegen ein Stück Blech als „Gong“ geworfen. Daher heißt die Zeiteinheit beim Jugger bis heute „Steine“.
In der Praxis hat sich statt Steinen die symbolische Verwendung von Trommelschlägen oder einer Sounddatei durchgesetzt.
Ein Stein entspricht 1,5 Sekunden, wodurch eine Halbzeit 2:30 Minuten reine Spielzeit hätte.
Wichtig ist:
Die Zeit läuft nur während eines aktiven Spielzuges. Unterbrechungen stoppen die Zeit. Dadurch dauern Spiele in der Realität deutlich länger als die reine Spielzeit vermuten lässt, was die Planung – vor allem bei Turnieren – erschwert.
Ich habe eine Sounddatei mit 100 Steinen und einem Counter erstellt. Mit Handy und Bluetooth-Lautsprecher könnt ihr immer in der Spielzeit die Steine hören und bekommt alle zehn Steine die Ansage, wie weit das Spiel fortgeschritten ist. In den Unterbrechungen drückt ihr einfach auf Pause.
Für die Jungschar empfiehlt sich: verkürzte Strafzeiten, kleinere Felder und klare Anweisungen von den MA-Schiedsrichtern.
Offizielle Regeln
Kurz zusammengefasste Regeln unter https://jugger.de/regeln.php
Ausführliche deutsches Regelwerk: https://www.jugger.org/downloads?file=files/public/rules/jugger-regeln-20250905.pdf&cid=84
Pompfenbau
Pompfen sind vollständig gepolsterte Sportgeräte, die meist selbst gebaut werden. Für die Jungschar reicht eine vereinfachte, sichere Variante. Ich schreibe trotzdem mal die offiziellen Anforderungen auf.
Material
- Glasfaserstab oder leichter Kunststoffstab (kein Holz! Falls das bricht, hat es gefährliche Spitzen und Kanten!)
- Rohrisolierung , Schwimmnudeln oder Schaumstoff
- Isomatten-Schaumstoff für die Spitze
- Gewebeklebeband
- Stoffüberzug (z. B. alter T-Shirt-Stoff)
Bau – kurz & knapp
- Kern vorbereiten
→ Stab auf gewünschte Länge kürzen, Kanten abrunden - Polsterung anbringen
→ Schaumstoff rund um den Stab legen und fixieren
→ Spitze extra dick polstern (Stoßdämpfung!) - Fixieren
→ Alles mit Gewebeband sichern (nicht zu hart wickeln) - Überzug
→ Stoff darüberziehen und befestigen
→ Sieht besser aus und schont das Material
Wichtig:
- Keine harten Kanten
- Spitze immer weich
- Vor jedem Spiel Sicherheitscheck durch MA
Spezifikationen der Pompfen
Pompfen sind Sportgeräte, keine Waffen. Sie müssen so gebaut sein, dass keine Verletzungsgefahr besteht – auch bei schnellen Bewegungen und Treffern. Die Turnierspezifikationen findet ihr im Regelwerk.
Allgemeine Grundregeln
- vollständig gepolstert
- keine harten oder scharfen Kanten
- keine Metallteile
- regelmäßig durch MA kontrollieren
- beschädigte Pompfen dürfen nicht benutzt werden

Lang-Pompfe
Die Lang-Pompfe ist die am häufigsten genutzte Pompfe in der Jungschar.
- Gesamtlänge: 140cm (40 cm Griff und 100 cm Schlagfläche)
- Schlagfläche: durchgehend gepolstert
- Spitze: besonders weich und stoßdämpfend
- Durchmesser: mind. ca. 6 cm, Abschluss 7cm
- Kernstab: Glasfaser oder flexibler Kunststoff
- Griffbereich: rutschfest, ohne harte Abschlüsse
Kurzpompfe
Kurze, wendige Pompfe für schnelles Spiel. Ein Spieler darf zwei Kurzpompfen oder eine Kurzpompfe und ein Schild verwenden
- Gesamtlänge: 85cm (25cm Griff und 60cm Schlagfläche)
- Schlagfläche: durchgehend gepolstert
- Spitze: besonders weich und stoßdämpfend
- Durchmesser: mind. ca. 6 cm, Abschluss 7cm
- Kernstab: Glasfaser oder flexibler Kunststoff
- Griffbereich: rutschfest, ohne harte Abschlüsse
Stab
Der Stab ist eine Zweihandpompfe. Durch die zweite Griffläche ist sie präziser zu führen als eine Langpompfe. Die Regeln verlangen beim Angriff eine Hand an jedem Griff
- Gesamtlänge 180 cm (25cm Griff 1, 45cm Manschette, 20cm Griff 2, 90cm Schlagfläche)
- Schlagfläche: durchgehend gepolstert
- Spitze: besonders weich und stoßdämpfend
- Durchmesser: mind. ca. 6 cm, Abschluss 7cm
- Kernstab: Glasfaser oder flexibler Kunststoff
- Griffbereich: rutschfest, ohne harte Abschlüsse
Q-Tip
Der Q-Tip hat zwei Schlagflächen. Das kann strategisch von Vorteil sein, wenn Gegner von hinten angreifen. Allerding verlangt der Umgang damit etwas an Übung. Die Regeln verlangen beide Hände an der Grifffläche
- Gesamtlänge 200 cm (60cm Schlagfläche, 80cm Griff, 60cm Schlagfläche)
- Schlagfläche: durchgehend gepolstert
- Spitze: besonders weich und stoßdämpfend
- Durchmesser: mind. ca. 6 cm, Abschluss 7cm
- Kernstab: Glasfaser oder flexibler Kunststoff
- Griffbereich: rutschfest, ohne harte Abschlüsse
Kettenpompfe
Kettenpompfen sind spektakulär, aber anspruchsvoll und nicht ideal für jüngere Teilis.
- besteht aus Griffschlaufe, flexibler Verbindung (Seil, Gurt) und Ball
- Gesamtlänge maximal 320 cm
- Die Kette ist nicht wörtlich zu nehmen. Ein weiches Seil ist gut geeignet
Für die Jungschar gilt:
Nur verwenden, wenn Erfahrung vorhanden ist – sonst lieber weglassen.
Schild
Schilde können das Spiel taktisch bereichern. Sie dienen ausschließlich der Verteidigung.
- Rund, Durchmesser 60cm, Armschlaufen auf der Rückseite
- keine harten Kanten
- Rand komplett gepolstert
- darf nur zum Blocken, nicht zum Schlagen verwendet werden
Jugg
Der Spielball (Jugg) ist im Film ein Hundeschädel. In der realen Version wird auf die Authentizität nicht ganz verzichtet. Hier kommt in Turnieren ein Schaumstoffschädel zum Einsatz. In der Jungscharversion empfehle ich einen Football. Der hat die längliche Form und verhindert gezieltes Kicken. Oder ihr nehmt einen Hand- oder Volleyball
Mal
Das Ziel (Mal), in den der Jugg gelegt werden muss, ist bei Turnieren ein genau definiertes Objekt aus Schaumstoff. In der Jungschar könnt ihr Kunststoffeimer nehmen.
Ausführliche Anleitungen zum Pompfenbau findet ihr unter:
https://jugger.ch/pdf/Pompfenbauanleitung_JBB_2023-07.pdf und
https://jugger.uhusnest.de/neueab/pompfenbau.pdf
Warum Jugger gut für die Jungschar ist
- Viel Bewegung & Action
- Klare Regeln und Fair-Play-Gedanke
- Teamarbeit statt Einzelkampf
- Rollen für verschiedene Stärken
- MA können gut steuern und anpassen
Für offizielle Turniere gelten umfangreiche Regelwerke und genaue Bauvorgaben.
Für die Jungschar reicht eine angepasste, sichere Spielversion völlig aus.
Wichtig sind klare Ansagen, ein sichtbarer MA-Schiedsrichter und regelmäßige Pausen.

