Feuer gehört zu den ältesten Fähigkeiten des Menschen. Es spendet Wärme, bringt Licht in die Dunkelheit und ermöglicht es, Nahrung zuzubereiten. Gleichzeitig ist Feuer immer auch Verantwortung. Wer ein Feuer entzündet, übernimmt Verantwortung für seine Umgebung, für die Natur und für die Menschen, die dabei sind.
Gerade mit Teilis ist Feuer mehr als nur „hell“ und „warm“. Es ist eine gemeinsame Aktivität, bei der alle mithelfen können. Holz sammeln, Zunder vorbereiten, das Feuer aufbauen oder später darauf kochen – all das sind Aufgaben, die sich gut in einer Gruppe verteilen lassen. Wenn Feuer als gemeinsames Projekt verstanden wird, lernen Teilis nebenbei auch Geduld, Aufmerksamkeit und Zusammenarbeit.
Outdoor-Aktionen dürfen Spaß machen – aber Sicherheit hat Vorrang. Ich kann euch Tipps geben, aber im Zweifelsfall seid ihr für eure Teilis verantwortlich. Ihr kennt sie und könnt sie hoffentlich einschätzen. Lest am Besten zum Einstieg den Beitrag Outdoor: Basics

Der richtige Ort für ein Feuer
Bevor ein Feuer entzündet wird, sollte zuerst geklärt werden, ob und wo es erlaubt ist. Es gibt ausgewiesene Feuerstellen, die genutzt werden dürfen. Das ist immer die sicherste Lösung. Es sei denn, es herrscht gerade erhöhte Waldbrandgefahr. Dann solltet ihr den Programmpunkt zu einem anderen Zeitpunkt machen.
Wenn ihr mit einer Gruppe unterwegs seid, ist es unbedingte Voraussetzung, den zuständigen Förster oder Grundstücksbesitzer kurz zu informieren. In vielen Fällen reicht ein kurzer Hinweis, was ihr vorhabt. Diese Kommunikation verhindert Missverständnisse und sorgt dafür, dass ihr später keinen Ärger bekommt.
Die Feuerstelle selbst sollte übersichtlich sein und genügend Abstand zu allem haben, was brennen kann. Büsche, trockenes Gras, Holzstapel oder Zelte sollten nicht direkt daneben stehen. Auch die Windrichtung spielt eine Rolle. Funkenflug kann sonst schnell zu einem unkontrollierten Brand führen.
Der Untergrund sollte möglichst aus Sand, Kies oder Schotter bestehen. Wenn das nicht der Fall ist, kann eine kleine Mulde im Boden helfen. Dazu wird eine Grasnarbe ausgestochen und der Boden etwa zehn Zentimeter tief ausgehoben. Die Grasnarbe kann später wieder eingesetzt werden.
Außerdem gehört zur Vorbereitung immer ein kleiner Holzvorrat. Während des Brennens ständig Holz suchen zu müssen ist unpraktisch und führt oft dazu, dass Teilis unruhig werden und quer durch das Gelände laufen. Ebenso sollte immer Wasser bereitstehen, um das Feuer notfalls schnell – oder am Ende gezielt – löschen zu können.
Holz sammeln als Gruppenaufgabe
Feuerholz sammeln ist eine der einfachsten Möglichkeiten, Teilis aktiv einzubeziehen. Dabei kann man gut erklären, dass nicht jedes Holz gleich gut brennt.
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen weichem und hartem Holz. Weiches Holz lässt sich leicht entzünden und eignet sich gut für den Anfang eines Feuers. Beispiele sind Fichte, Lärche, Hasel oder Birke.
Hartes Holz brennt langsamer, entwickelt dafür aber eine gute Glut und hält länger. Buche, Ahorn oder Eiche sind dafür besonders geeignet. Diese Holzarten eignen sich gut, wenn später gekocht werden soll oder wenn das Feuer längere Zeit brennen soll.
Birke ist eine besondere Hilfe beim Feuermachen. Ihre Rinde enthält natürliche Öle und brennt deshalb sehr gut. Selbst leicht feuchte Birkenrinde lässt sich oft noch entzünden.
Beim Holzsammeln kann man Teilis gut ein kleines Ziel geben. Eine Gruppe sammelt dünne Zweige, eine andere sucht mittlere Äste und eine dritte Gruppe größere Scheite. So entsteht Schritt für Schritt ein vollständiger Holzvorrat.
Frisches Holz wie z.B. abgerissene Zweige, ist feucht und brennt nicht gut. Außerdem werden es die Waldbesitzer nicht lustig finden, wenn ihr Bäume zerstört. Kleiner Cheat: Verteilt im Voraus Brennholz im Umkreis der Feuerstelle. Dann finden die Teilis sicher was.
Zunder vorbereiten
Bevor ein Feuer entstehen kann, braucht es sehr leicht brennbares Material. Dieses Material nennt man Zunder. Zunder entzündet sich schnell und überträgt die Flamme auf die größeren Holzstücke. Ursprünglich wurde eine Schicht im Zunderpilz dafür verwendet. Aber im Prinzip kann man alles verwenden, was feine Fasern hat und trocken ist.
Geeignete natürliche Materialien sind trockenes Gras, feine Holzspäne, Rohrkolben- oder Distelsamen. Besonders gut funktioniert Birkenrinde. Wenn ihr hier ein bisschen tricksen wollt, nehmt etwas (Baumwoll-)Watte (zum Beispiel Wattepads) mit.

Auch das Herstellen von Zunder kann Teil der Gruppenaktivität sein. Dünne Äste lassen sich mit einem Messer vorsichtig in viele kleine Späne aufschneiden. Dadurch entsteht eine größere Oberfläche und das Holz lässt sich leichter entzünden.
Chemische Brandbeschleuniger wie Benzin oder Spiritus sollten grundsätzlich nicht verwendet werden. Sie sind schwer kontrollierbar und können gefährlich werden.
Ein Feuer gemeinsam aufbauen
Beim Aufbau eines Feuers gilt eine einfache Regel: von klein nach groß arbeiten.
Zuerst wird der Zunder in die Mitte der Feuerstelle gelegt. Darüber kommen kleine Zweige und dünne Äste. Erst danach folgen größere Holzstücke.
Das Feuer wird am besten an der windzugewandten Seite entzündet. So strömt Sauerstoff in die Flammen und das Feuer kann sich schneller ausbreiten.
Gerade mit Teilis kann es spannend sein zu beobachten, wie sich das Feuer entwickelt. Wenn zu viel Holz auf einmal aufgelegt wird, erstickt das Feuer schnell. Wird dagegen langsam nachgelegt, wächst das Feuer stabil.
Wenn die Grundlagen verstanden sind, kann man mit der Gruppe verschiedene Feuerarten ausprobieren.

Ein klassisches Lagerfeuer wird oft als Pyramidenfeuer aufgebaut. Diese Form sorgt für eine schöne Flamme und viel Licht.
Das Sternfeuer ist eine sehr praktische Variante. Dabei werden mehrere große Holzscheite sternförmig um ein kleines Feuer gelegt. Während das Holz abbrennt, werden die Scheite langsam weiter nachgeschoben. Diese Feuerart eignet sich gut zum Kochen, weil sie eine gleichmäßige Glut erzeugt.
Das Pagodenfeuer wird aus mehreren Lagen Holz aufgebaut, die ihr kreuzweise übereinander stapelt. Dabei entsteht eine Form, die an eine kleine Holzpyramide oder einen Turm erinnert. Es eignet sich besonders gut als Lagerfeuer für Gruppenabende. Es brennt stabil, entwickelt eine schöne Flamme . Außerdem lässt sich diese Feuerform gut gemeinsam aufbauen, weil Teilis die Holzscheite Schicht für Schicht stapeln können.
Beim Jägerfeuer werden zwei dicke Holzstücke parallel nebeneinander gelegt. Dazwischen brennt das Feuer. Die beiden Stämme dienen gleichzeitig als Auflage für einen Topf oder eine Pfanne.
Solche Varianten lassen sich gut als kleine Experimente durchführen. Welche Feuerform brennt am längsten? Welche eignet sich am besten zum Kochen? Teilis entdecken dabei selbst, wie unterschiedlich Feuer aufgebaut werden kann.
Feuer ohne Feuerzeug
Neben Streichholz oder Feuerzeug gibt es auch andere Möglichkeiten, ein Feuer zu entzünden. Diese Techniken sind oft schwieriger, aber sehr spannend als gemeinsame Herausforderung.
Ein Zündstahl erzeugt Funken, die auf den Zunder fallen und diesen entzünden können. Der Vorteil ist, dass er auch bei Nässe funktioniert. Mit einer Gruppe ist das die zuverlässigste Methode, die ich euch empfehlen würde. Ich würde (fast) eine Geling-Garantie aussprechen.
Auch mit einem Feuerstein lassen sich Funken erzeugen, wenn er gegen Stahl oder einen harten Stein geschlagen wird. Die Kunst dabei ist, die Funken zielgerichtet in den Zunder zu schlagen. Braucht mehr Übung als der Zündstahl.
Eine klassische Technik ist der Feuerbohrer. Dabei entsteht durch Reibung zwischen einem Holzbohrer und einem Brett oder Holzscheit Hitze, die schließlich den Zunder entzündet. Diese Methode braucht etwas Übung und Geduld, eignet sich aber gut als Herausforderung für ältere Teilis.
Bei Sonnenschein könnt ihr auch mit einem Brennglas experimentieren. Eine konvexe Linse (innen dicker als am Rand) kann Sonnenlicht bündeln und Zunder entzünden. Eine Lupe oder eine entsprechende Brille funktionieren da ganz gut.
Wenn ihr die Möglichkeit einer zweiten Feuerstelle habt, könnt ihr die Teilis sobald das „richtige“ Feuer brennt noch ein bisschen probieren lassen. Zündeln mach halt doch Spaß.
Feuer als gemeinsames Erlebnis
Ein Lagerfeuer ist mehr als eine Technik. Wenn alle um das Feuer sitzen, entsteht oft eine besondere Atmosphäre. Gespräche entstehen von selbst, Geschichten werden erzählt oder gemeinsam wird etwas gekocht.
Gerade deshalb lohnt es sich, das Feuermachen nicht nur als kurze Demonstration zu behandeln, sondern als gemeinsame Aktivität. Wenn Teilis beim Sammeln des Holzes helfen, den Zunder vorbereiten oder das Feuer beobachten, wird das Lagerfeuer zu einem echten Gemeinschaftserlebnis.
Ihr könnt natürlich das Feuer zum Kochen nutzen. Die harte Arbeit sollte belohnt werden.
Am Ende gehört dazu auch, das Feuer gemeinsam wieder zu löschen. Erst wenn keine Glut mehr vorhanden ist und der Boden kalt geworden ist, gilt das Feuer wirklich als beendet.
Weiterführende Links
Es gibt Leute, die sich besser mit Feuer machen auskennen als ich. Deshalb verweise ich auch mal an sie.
- Feuer machen ausführlich bei Scoutwiki: https://de.scoutwiki.org/Lagerfeuer
- PDF von Samuel Kuhn : https://www.gjw-bayern.de/fileadmin/content/Edition_GJW/0080_Kuhn_Feuermachen.pdf
- Die DPSG hat nochmal die verschiedenen Feuerarten beschrieben: https://dpsg.de/de/leitende-mitarbeitende/methoden-anleitungen/feuer-aufbauen
- im Youtube-Kanal Survival Tips4kids findet ihr auch einige Videos zum Thema: https://www.youtube.com/c/SURVIVALTips4Kids
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