Outdoor: Orientierung

Outdoor-Aktionen dürfen Spaß machen – aber Sicherheit hat Vorrang. Ich kann euch Tipps geben, aber im Zweifelsfall seid ihr für eure Teilis verantwortlich. Ihr kennt sie und könnt sie hoffentlich einschätzen. Lest am Besten zum Einstieg den Beitrag Outdoor: Basics

OK. Orientierung ist in der Praxis nicht unbedingt meinen Stärke. Wobei ich das im Alltag meistens ganz gut vertuschen kann. Aber da gab es mal diese eine Wanderung… Naja, reden wir nicht drüber.

Sich orientieren können ist eine der wichtigsten Outdoor-Fähigkeiten überhaupt – und gleichzeitig etwas, das Kinder und Jugendliche heute kaum noch lernen. Google Maps weiß zwar immer, wo man ist, aber draußen im Wald, auf der Freizeit oder beim Geländespiel hilft oft nur der eigene Kopf.

Dieser Beitrag zeigt einfache, praxiserprobte Methoden, wie Teilis spielerisch lernen, sich draußen zu orientieren – ganz ohne Technik oder mit minimalen Hilfsmitteln.

Kurzüberblick

  • Alter: ab ca. 8 Jahren
  • Dauer: 60–90 Minuten
  • Ort: Wiese, Wald, Freizeitgelände (Mit Eigentümer bzw Förster abklären)
  • Ziel: Himmelsrichtungen kennen, Orientierung schulen, Selbstvertrauen stärken

Die Himmelsrichtungen – ganz einfach erklärt

Bevor es losgeht, brauchen alle ein Grundverständnis: Die Sonne geht im Osten auf und wandert im Lauf des Tages im Uhrzeigersinn nach rechts. Über Süden in den Westen

  • Osten – dort geht die Sonne auf
  • Süden – dort steht die Sonne mittags am höchsten
  • Westen – dort geht sie unter
  • Norden – dort, wo die Sonne nie steht

Tipp:
Lasst die Teilis selbst überlegen, wo Osten oder Westen sein könnte, statt es direkt zu sagen.

Orientierung mit der Sonne (ohne Technik)

Variante A: Der Schattenstab

Material: Stock oder Ast

So geht’s:

  1. Stock senkrecht in den Boden stecken
  2. Spitze des Schattens markieren
  3. Nach 10–15 Minuten neue Schattenposition markieren
  4. Linie von der ersten zur zweiten Markierung zeigt ungefähr(!) West → Ost
  5. Senkrecht dazu liegt Nord → Süd

Genauer erklärt findet ihr die Methode unter survival-kompass.de

Wichtig:
Nicht zu exakt nehmen – es geht um grobe Orientierung, nicht um Navigation wie beim Militär

Funktioniert besonders gut als Gruppenexperiment.

Variante B: Sonne & Tageszeit

  • Vormittag: Sonne im Osten. Um ca 6:00 Uhr Normalzeit bzw7:00 Uhr Sommerzeit ist sie genau im Osten
  • Mittag: Sonne im Süden. Um ca 12:00 Uhr Normalzeit bzw13:00 Uhr Sommerzeit ist sie genau im Süden
  • Nachmittag/Abend: Sonne im Westen. Um ca 18:00 Uhr Normalzeit bzw 19:00 Uhr Sommerzeit ist sie genau im Westen

Zwischen den genannten Zeiten müsst ihr schätzen. Die Sonne wandert 15° pro Stunde weiter.

Wenn ihr den Sonnenstand exakter zum Bestimmen der Himmelsrichtungen nutzen wollt, könnt ihr außer einer Uhr noch einen selbstbebastelten Sonnenkompass nutzen.

Wenn ihr eine Uhr mit Zeigern habt, könnt ihr diese mit einem Trick als Kompass verwenden: https://www.geo.de/geolino/basteln/1665-rtkl-experiment-der-uhrenkompass

Orientierung mit dem Magnetkompass

Ein Kompass ist kein Muss, aber spannend.

Grundregeln für Kinder:

  • Die (oft) rote Nadel zeigt nach Norden
  • Der Kompass liegt ruhig & waagerecht
  • Nicht direkt neben Metall halten

Idee:
Lass die Teilis zuerst schätzen, wo Norden ist – danach mit dem Kompass überprüfen.

Magnetkompass selber basteln

Einen Magnetkompass könnt ihr euch zur Not auch selber basteln. Dazu braucht ihr einen kleinen Eisenstift (Nagel, Nadel, Eisendraht) einen Magneten und eine Korkscheibe oder ein kleines Stück Holz.

Den Eisenstift müsst ihr erst mal magnetisieren. Dazu streicht ihr mit dem Magneten immer von der einen Seite auf die andere. Zum Beispiel beim Nagel immer vom Kopf zur Spitze. Dann geht ihr mit etwas Abstand zurück zum Kopf und streicht wieder direkt auf dem Nagel zur Spitze. Dadurch richten sich die im Eisen enthaltenen Elementarmagnete alle in die gleiche Richtung aus und das Eisen selbst wird zum Magneten. Wiederholt das 40 bis 50 mal. Je öfter, desto besser. Theoretisch klappt das auch, wenn ihr zwei nicht magnetisierte Eisenstifte benutzt. Dann dauert es – wenn es überhaupt funktioniert – deutlich länger.

Wenn ihr jetzt den Stift auf eine Scheibe Kork oder ein Stück Holz legt und das ganze in einer Pfütze ins Wasser legt, richtet er sich in einer Nord-Süd Achse aus. Probiert mal ob ihr es schafft, ihn in eine andere Richtung zu drehen. Das sollte nicht lange anhalten bevor sich die Nadel wieder ausrichtet.

Je nachdem, wie rum ihr den Magneten beim Magnetisieren gehalten habt, zeigt jetzt die Spitze nach Norden oder nach Süden. In Kombination mit dem Sonnenstand findet ihr das aber ganz einfach heraus. Obwohl der selbstgebastelte Magnetkompass eigentlich primitiv ist, funktioniert er ziemlich genau.

Orientierung ohne Hilfsmittel – Natur beobachten

Hier wird’s detektivisch:

  • Moos an Bäumen: oft auf der schattigeren Seite (aber nicht zuverlässig!)
  • Ameisenhaufen: häufig nach Süden ausgerichtet
  • Bäume & Äste: wachsen zur Sonne hin stärker

Wichtig für die Jungschar:
Das sind Hinweise, keine Garantien. Genau das kann man gut thematisieren.

Spielidee: „Wo ist Norden?“

Ablauf:

  • Alle stehen verstreut
  • Mitarbeitender ruft eine Richtung („Süden!“)
  • Alle zeigen gleichzeitig dorthin
  • Danach kurze Auflösung und Erklärung

Variante:
Vier Zettel mit N/O/S/W im Gelände verteilen – schnell hinlaufen.

Wie lange ist es noch hell?

Nicht nur wo man ist, ist draußen wichtig – sondern auch wie lange man noch Tageslicht hat. Gerade bei Geländespielen, Wanderungen oder Waldaktionen kann das entscheidend sein.

Mit einer einfachen Methode lässt sich die verbleibende Zeit bis zum Sonnenuntergang grob abschätzen – nur mit der eigenen Hand.

So funktioniert die Hand-Methode

  1. Stellt euch mit dem Gesicht zur Sonne.
    Der Arm wird gerade nach vorne ausgestreckt.
  2. Die Handfläche zeigt zu euch,
    die Finger liegen waagerecht parallel zum Horizont.
  3. Legt den oberen Finger direkt unter die Sonne.
    Der kleine Finger zeigt Richtung Horizont.
  4. Zählt nun die Finger, die zwischen Sonne und Horizont passen.

Jeder Finger entspricht etwa 15 Minuten Tageslicht.

Beispiel

  • 1 Finger → ca. 15 Minuten
  • 2 Finger → ca. 30 Minuten
  • 3 Finger → ca. 45 Minuten
  • 4 Finger → ca. 1 Stunde

Reicht eine Hand nicht aus, kann die zweite direkt darunter angesetzt werden.
Eine ganze Hand entspricht ungefähr einer Stunde.

Wichtig zu wissen

  • Die Methode ist nicht exakt, sondern eine grobe Orientierungshilfe.
  • Sie funktioniert am besten:
    • bei freiem Horizont
    • bei klarem Wetter
  • Je weiter nördlich man ist, desto ungenauer wird sie im Sommer.

Für Outdoor-Aktionen reicht diese Schätzung aber völlig aus.

Mini-Geländespiel: Orientierungslauf light

Material:

  • Zettel mit Aufgaben
  • evtl. Kompass

So geht’s:

  • Startpunkt festlegen
  • Aufgaben wie:
    • „Gehe 20 Schritte nach Osten“
    • „Drehe dich nach Norden und gehe bis zum Baum“
  • Ziel: gemeinsam ankommen, nicht gewinnen

Perfekt für:

  • Freizeiten
  • Jungschar im Wald
  • als Einstieg in größere Geländespiele

Weiterführende Links

Wenn ihr euch mehr mit Orientierung beschäftigen wollt, könnt ihr noch folgende Seiten besuchen:


Hier gibt es eine Anleitung zum Karten lesen
Alle (auch schon bestehenden) Beiträge findet ihr in der Kategorie „Outdoor“

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