Outdoor: Wetterkunde

Viele Teilis wachsen mit Wetter-Apps auf. Ein Blick aufs Handy genügt und schon kennt man angeblich das Wetter der nächsten Tage. Trotzdem lohnt es sich, Wetter zu verstehen.

Akkus werden leer. Im Wald gibt es nicht immer Netz. Auf Freizeiten funktioniert das Internet manchmal nur eingeschränkt. Und vor allem: Die App zeigt nur eine Vorhersage. Was tatsächlich am Himmel passiert, muss man selbst beobachten.

Wer Wetter versteht, erkennt Veränderungen oft früher als jede App. Das hilft dabei, gute Entscheidungen für die Gruppe zu treffen.

Wie zuverlässig sind Wetter-Apps eigentlich?

Die Vorhersagen sind heute erstaunlich gut geworden.

Für die nächsten 24 Stunden sind Wetterberichte meist sehr zuverlässig. Auch Vorhersagen für zwei bis drei Tage treffen häufig recht genau zu.

Ab etwa vier bis fünf Tagen nimmt die Genauigkeit deutlich ab. Die Vorhersage zeigt dann eher eine wahrscheinliche Entwicklung als das tatsächliche Wetter.

Für Outdoor-Aktionen bedeutet das:

  • 1 Tag vorher: sehr zuverlässig
  • 2–3 Tage vorher: meistens zuverlässig
  • 4–5 Tage vorher: Tendenz
  • mehr als 5 Tage vorher: Planungshilfe, aber keine Garantie

Deshalb lohnt es sich, besonders in den letzten Tagen vor einer Aktion regelmäßig nachzuschauen.

Schönwetter- und Schlechtwetterboten

Schon lange bevor es Wetter-Apps gab, haben Menschen die Natur beobachtet.

Einige Beobachtungen können tatsächlich Hinweise auf Wetteränderungen geben.

Schönwetterboten

  • klare Sicht
  • kleine, weiße Quellwolken
  • trockene Luft
  • Morgennebel, der sich rasch auflöst
  • viele Insekten und Schmetterlinge unterwegs

Schlechtwetterboten

  • hohe Schleierwolken
  • zunehmender Wind
  • drückende Schwüle
  • dunkle Quellwolken
  • tieffliegende Schwalben
  • schlechtere Fernsicht

Nicht jeder dieser Hinweise führt sofort zu Regen. Sie können aber helfen, Veränderungen frühzeitig wahrzunehmen.

Wolkenkunde für Einsteiger

Wolken sind oft die besten Wetterboten.

Schäfchenwolken (Cirrocumulus)

siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Cirrocumulus

Kleine weiße Wolken mit klaren Konturen.

Meist Zeichen für stabiles Wetter.

Schleierwolken (Cirrus)

siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Cirrus_(Wolke)

Dünne, milchige Wolkenfelder hoch am Himmel.

Oft Vorboten eines Wetterwechsels innerhalb der nächsten Stunden oder Tage.

Quellwolken (Cumulus)

siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Cumulus

Die klassischen „Wattewolken“.

Solange sie klein bleiben, ist alles in Ordnung.

Schichtwolken (Stratus)

siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Stratus

Können auf Regen hindeuten. Tendenziell eher Nieselregen.

Regenwolken (Nimbostratus)

siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Nimbostratus

Der Name sagt schon alles, oder? Eher lang anhaltender Regen

Gewitterwolken (Cumulonimbus)

siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Cumulonimbus

Hohe, dunkle Wolkentürme.

Wer solche Wolken entdeckt, sollte die Wetterentwicklung aufmerksam beobachten.

Was tun bei Regen?

Regen ist zunächst kein Grund, eine Outdoor-Aktion abzubrechen.

Viele Programme funktionieren auch bei leichtem Regen problemlos. Es kommt aber auch auf die Temperaturen an. Ein warmer Sommerregen ist etwas anderes, als wenn ein kalter Wind dazu weht.

Wichtig sind:

  • passende Kleidung
  • Wechselkleidung
  • wasserdichte Materialien
  • Schutz für elektronische Geräte
  • Vor allem im Zeltlager: Möglichkeit schaffen sich aufzuwärmen.*

Oft macht eine Waldaktion bei leichtem Regen sogar besonderen Spaß.

Problematisch wird es bei:

  • Dauerregen
  • Sturm
  • stark aufgeweichtem Gelände
  • schlechter Sicht

Dann sollte geprüft werden, ob eine Anpassung oder ein Abbruch sinnvoll ist.

Verhalten bei Gewitter

Gewitter gehören zu den größten Gefahren bei Outdoor-Aktionen.

Grundsätzlich kann man die Entfernung eines Gewitters gut abschätzen. Das Licht vom Blitz kommt ohne nenneswerte Verzögerung mit Lichtgeschwindigkeit bei euch an. Der Donner „nur mit Schallgeschwindigkeit (ca 343 m pro Sekunde). Für einen Kilometer braucht der Schall also 3 Sekunden. Zählt die Sekunden zwischen Blitz und dem dazugehörigen Donner. Bei 3 Sekunden war er etwa 1 km entfernt, bei 6 Sekunden 2 km bei 9 Sekunden 3 km. und so weiter.

Am sichersten sind:

  • Häuser
  • Hütten
  • feste Gebäude
  • Autos mit Metallkarosserie

Dort sollte die Gruppe Schutz suchen.

Vermeiden:

  • einzelne Bäume
  • Hügelkuppen
  • offene Wiesen
  • Gewässer
  • Aussichtstürme

Falls kein Schutz verfügbar ist:

  • Abstand voneinander halten
  • in eine Mulde gehen
  • hinhocken
  • Füße möglichst eng zusammenstellen

Die 30-30-Regel

Liegen weniger als 30 Sekunden zwischen Blitz und Donner, ist das Gewitter gefährlich nah.

Dann sollte sofort Schutz gesucht werden.

Nach dem letzten Donner mindestens 30 Minuten warten, bevor die Aktion fortgesetzt wird.

Was tun, wenn das Wetter anders wird als geplant?

Das passiert früher oder später jeder Gruppe.

Vor Beginn

Wenn die Vorhersage unsicher wird:

  • Wettervorhersage im Blick behalten
  • Gelände neu bewerten
  • Eltern informieren
  • Alternativprogramm vorbereiten

Ein Plan B spart später viel Stress.

Während der Aktion

Wenn sich das Wetter überraschend verschlechtert:

  • Ruhe bewahren
  • Situation beobachten
  • rechtzeitig entscheiden
  • lieber früher reagieren als zu spät

Ein verkürztes Programm ist besser als eine gefährliche Situation.

Fazit

Wetterkunde bedeutet nicht, komplizierte Fachbegriffe auswendig zu lernen. Es geht darum, Wetter wahrzunehmen, Veränderungen zu erkennen und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen.

Wetter-Apps sind dabei eine große Hilfe. Trotzdem sollten MA auch ohne Handy einschätzen können, was am Himmel passiert. Denn draußen entscheidet am Ende nicht die App, sondern das tatsächliche Wetter.

Weiterführende Quellen

Wie schon in den anderen Outdoor-Beiträgen erwähnt, bin ich kein Outdoor-Experte. Da gibt es Menschen mit mehr Erfahrung. Deshalb hier noch eim paar Links.

* Wenn die Teilis bei uns im Zeltlager nass werden, heizen wir je nach Außentemperatur schon mal das große Zelt ein, damit sie wieder durch und durch warm werden. Das Küchenteam kann zusätzlich noch heißen Kakao machen.


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