Der Eisbäernclan ist ein kooperatives Spiel für die ganze Gruppe. Ein Problem muss gemeinsam eingeschätzt und so gut wie möglich gelöst werden.
Gleich mal vorneweg: Ja, Eisbären leben nicht in Clans. Sie sind eher Einzelgänger. Und sie sind gute Schwimmer. Auch in kaltem Wasser. Aber das Setup passt zum Spiel, deshalb sehen wir mal über diese Kleinigkeiten hinweg…
Die Spielleitung breitet eine große Plane (etwa 3 × 5 Meter) auf einer ebenen Fläche aus. Anschließend werden alle Teilis eingeladen, sich auf die Plane zu stellen*. Mit ein paar einleitenden Worten verwandelt die Spielleitung die Gruppe in einen Eisbärenclan: Nach einem langen Tag ruhen sich die Eisbären gemeinsam auf ihrer Eisscholle aus. Am Anfang ist alles entspannt, es gibt reichlich Platz, so viel sogar, dass sich theoretisch alle hinlegen könnten.
Ihr könnt mit folgender Geschichte einsteigen:
„Stellt euch vor, ihr seid eine große Eisbärenfamilie irgendwo hoch oben im Norden. Den ganzen Tag seid ihr unterwegs gewesen, habt gefischt, gespielt und euch durch den Schnee gekämpft. Jetzt wollt ihr euch ausruhen. Vor euch liegt eine große, stabile Eisscholle – euer sicherer Platz mitten im Meer. Hier fühlt ihr euch wohl, hier seid ihr zusammen.

Doch plötzlich merkt ihr: Es wird wärmer. Erst ganz langsam, kaum spürbar. Dann knackt das Eis unter euren Tatzen. Die Eisscholle beginnt zu schmelzen. Immer mehr Stücke brechen weg und sie wird Stück für Stück kleiner. Weglaufen geht nicht – überall um euch herum ist nur eiskaltes Wasser. Eure einzige Chance ist, zusammenzubleiben, euch gegenseitig zu helfen und auf der schmelzenden Eisscholle Platz zu finden. Die Frage ist nur: Wie klein darf die Scholle werden, bevor es zu klein wird?“
Dann kommt die erste Wendung der Geschichte. Es wird wärmer, das Eis beginnt zu schmelzen und die Eisscholle wird mit der Zeit immer kleiner. Die Spielleitung stellt nun die entscheidende Frage an den Clan: Wie oft könnt ihr eure Eisscholle halbieren, sodass noch alle Eisbären darauf Platz finden? Wichtig ist dabei, dass nichts im Vorfeld ausprobiert werden darf. Die Gruppe bekommt etwas Zeit, um sich zu beraten und gemeinsam eine Einschätzung abzugeben. Das Ganze kann auch als Wettbewerb mit zwei Eisbärenclans und zwei Planen gespielt werden.
Nachdem die Gruppe ihre Schätzung abgegeben hat, beginnt das eigentliche Experiment. Ein Countdown wird auf zehn Minuten gestellt. Die Teilis falten die Plane zur Hälfte und müssen sich dabei immer vollständig auf ihrer Eisscholle befinden. Dabei ist Teamarbeit gefragt: Die Teilis dürfen sich gegenseitig festhalten, stützen, zusammenrücken oder auch eng aneinanderstehen. Anschließend wird die Plane erneut halbiert. Mit jeder weiteren Halbierung wird der Platz knapper, die Bewegungen vorsichtiger und das Zusammenrücken intensiver.
Berührt ein Eisbär zwischendurch den Boden, gilt er als ins eiskalte Wasser gefallen. In diesem Fall wird das ursprünglich auf zehn Minuten angesetzte Zeitlimit um jeweils 30 Sekunden verkürzt. Danach geht das Spiel weiter, solange noch Zeit ist und die Gruppe es schafft, gemeinsam auf der immer kleiner werdenden Eisscholle zu bleiben. Ziel ist es zu erleben, wie wenig Platz nach drei oder vier Halbierungen tatsächlich noch ausreicht und wie sehr die Gruppe dabei zusammenwächst, wenn man sich gegenseitig auf die Füße tritt oder Schulter an Schulter steht.
Das Spiel endet, wenn die Zeit abgelaufen ist oder keine weitere Halbierung mehr möglich erscheint. Häufig entsteht auf der winzigen Eisscholle am Schluss ein chaotisches, aber sehr gemeinschaftliches Bild, das sich perfekt für ein Gruppenfoto eignet. In einer kurzen Nachbesprechung kann die Spielleitung mit den Teilis darüber ins Gespräch kommen, was geholfen hat, zusammenzubleiben, und wie wichtig Rücksicht, Absprachen und Vertrauen waren, um niemanden „ins Wasser fallen“ zu lassen.
* Wichtig: Bei diesem Spiel herrscht vor allem am Ende ziemlich viel Körperkontakt. Wenn das einzelnen Teilis unangenehm wird, nehmt sie aus dem Spiel. Wartet nicht, bis sie sich von selbst melden, sondern haltet von Anfang an die Augen auf. Ihr könnt eure Teilis vermutlich gut genug einschätzen, dass ihr wisst, wem solche Spiele unangenehm sind.
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