Zeltlagerpraxis: Heimweh

Wikipedia meint zu diesem Thema nüchtern: Heimweh ist die Sehnsucht in der Fremde, wieder in der Heimat zu sein. (Link)

In der Zeltlagerpraxis ist die Lage leider komplizierter. Kinder sind im Zeltlager häufig das erste Mal allein von Zuhause weg. Die gewohnte Umgebung und die Eltern fehlen.

WICHTIG: Ich bin kein Psychologe, deshalb kann ich mich eventuell auch in der einen oder anderen Aussage irren. Aber ich versuche nach bestem Wissen und Gewissen meine Erfahrungen weiter zu geben.

Meine Beobachtungen

  • Heimweh tritt überdurchschnittlich häufig in den jüngsten Gruppen auf.
  • Vor allem bei Kindern, die das erste Mal im Zeltlager dabei sind. Da sind nicht wie sonst Mama und Papa, sondern eine fremde Umgebung, fremde Menschen und ein ungewohnter Tagesablauf.
  • Bei den meisten Heimwehfällen merkt man den Tag über, wenn das Programm sie beschäftigt, nichts. Erst wenn sie abends im Zelt sind, geht es los.
  • Manchmal äußert sich Heimweh auch körperlich. Symptome sind z.B.: Bauch- oder Kopfschmerzen.
  • Heimweh betrifft meistens besonders ruhige oder besonders aufgedrehte Teilnehmer

Vorbeugende Maßnahmen

Vorbeugende Maßnahmen gegen Heimweh sind beispielsweise:

  • Beschäftigt die Teilnehmer:
    Wie schon erwähnt fällt den Kindern häufig gar nicht auf, dass ihnen etwas fehlt, wenn sie etwas zu tun haben.
  • Beschäftigt euch mit den Teilnehmern in eurer Gruppe:
    Sprecht mit ihnen und hört ihnen zu. Zeigt ihnen, dass sie euch wichtig sind. Versucht, möglichst oft bewusst mit jedem Teilnehmer in eurer Zeltgruppe zu sprechen. Besonders die Ruhigen, die sich eher zurück ziehen sind anfällig. Lasst sie nicht untergehen.
  • Lernt eure Teilnehmer (besser) kennen:
    Was machen sie in ihrer Freizeit? Wo gibt es Anknüpfungspunkte zu anderen Teilnehmern?
  • Beachtet den Hintergrund:
    Aus welcher Situation kommen die Kinder? Wie sieht es in der Familie aus?
  • Tauscht euch mit euren Zeltgruppen-Mitarbeitern aus:
    Manchmal fällt dem einen Mitarbeiter etwas auf, was der Andere übersieht. Trefft euch einmal täglich und redet kurz über jeden Teilnehmer in eurem Zelt.
  • Betet für die Teilnehmer:
    Bei solchen Treffen könnt ihr gleich für die Kinder beten.
  • Gruppenbildung:
    Versucht, die Zeltgruppen zu einer Einheit zu bekommen. Wenn sich die Teilnehmer nicht alle kennen, macht eine Vorstellungsrunde und ein paar Kennenlernspiele. Auf der AJC-Jungscharfreizeit sind solche Spiele meistens beim ersten Nachmittag integriert. Außerdem gibt es relativ früh einen Gruppenabend.
  • Gruppeneinteilung:
    Bei uns können die Teilnehmer auf der Anmeldung Gruppenwünsche angeben. wir versuchen dann, möglichst viel davon zu erfüllen. Wenn die Teilnehmer mit ihren Freunden in den Zeltgruppen sind, sinkt die Heimwehquote.

Vielleicht ist euch hier schon aufgefallen, dass die meisten Vorschläge in den Zeltgruppen stattfinden. Auf der AJC-Jungscharfreizeit sind sie eine wichtige Maßnahme gegen Heimweh. Je zwei bis drei Mitarbeiter (davon mindestens ein „erfahrener“) kümmern sich um 6 bis 10 Teilnehmer. Dadurch wird die Gefahr, dass ein Teilnehmer „übersehen“ wird gering.

Maßnahmen im „Ernstfall“

Was könnt ihr tun, wenn ihr einen Patienten in der Gruppe habt?

  • Was ist das Problem?
    Versucht herauszufinden, was das Problem ist. Manchmal liegt der Fehler bei euch. Möglicherweise könnt ihr das Problem einfach beheben. Falls nicht, hört zu.
  • Nehmt euch Zeit für euer „Problemkind“
    Manchmal brauchen die Patienten einfach nur jemand, der sich um sie kümmert. Sprecht euch dabei mit euren Zeltgruppenmitarbeitern ab, damit der Rest der Gruppe nicht zu kurz kommt.
  • Informiert die Hauptverantwortlichen BEVOR euch die Situation in der Zeltgruppe über den Kopf wächst. Ihr habt eine Verantwortung für jeden Teilnehmer in eurer Gruppe. Wenn ihr zwei Mitarbeiter seid, die sich um zwei Heimwehpatienten (und nebenbei um ein paar Programmpunkte) kümmern, geht der Rest eurer Gruppe unter. Die Hauptverantwortlichen können euch eventuell entlasten.
  • Informiert in einer Mitarbeiterrunde die restlichen Mitarbeiter über euren Patienten. Bei Heimwehkindern kann ein gut gemeintes „Auf, streng dich mehr an“ an einer Spielstation das Fass zum überlaufen bringen.
  • „Medikamente“ gegen Heimweh
    Wenn sich körperliche Symptome zeigen: Unbedingt zuerst abklären, ob keine „tatsächliche“ Krankheit vorliegt. „Heimwehsalbe“ auf den Bauch schmieren oder „Heimwehtabletten“ helfen manchmal gegen Heimweh, nicht aber gegen eine Blinddarmentzündung!
    Außerdem ist das Verabreichen von Medikamenten (auch wenn es nur Placebos sind) eine äußerst heikle Sache.
  • Kamillentee und Wärmflasche
    Körperliche Symptome kann man mit Kamillentee mit Honig oder einer Wärmflasche behandeln. Nehmt euch möglichst Zeit und setzt euch zu eurem Patienten. (danke Maddi)
  • Wenn ihr nicht sowieso im Zelt bei den Teilnehmern schlaft, bleibt so lange da, bis alle eingeschlafen sind (danke Maddi)
  • Betet besonders für die Kranken
    Vergesst dabei aber nicht den Rest der Gruppe

Haftungsausschluss

Alle Informationen wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Falls sich irgendwelche Fehler eingeschlichen haben, schreibt mir und ich werde es korrigieren. Ich übernehme keinerlei Verantwortung für eure Zeltlager. Dafür seid ausschließlich ihr verantwortlich. Ich gebe nur Ideen weiter.

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2 Gedanken zu „Zeltlagerpraxis: Heimweh#8220;

  1. – habt ein oder zwei Notfallkuscheltiere dabei mit dem das Heimwehkind schlafen kann
    – hört dem Kind zu und nehmt euch Zeit
    – Beschäftigung hilft: Singen mit dem Kind, Lese eine Geschichte vor, Rede über den Tag (was war besonders schön, auf was freut es sich morgen)
    – „Heimwehpillen“: bei kleineren Kindern (oder wenn das Heimweg nicht so gross ist) kann man „Heimwehpillen“ geben. Gibt es in der Drogerie/Apotheke. Bestehen aus 100% Traubenzucker. Oder man kann eigene „Heimwehpillen“ mitnehmen (vorher mit Eltern besprechen, evtl. Können die das kaufen) z.b. Vitamin C tabletten, Magnesiumtabletten, Smarties einer bestimmten Farbe etc.
    – gerade bei ruhigeren Kindern: der Grund für Heimweh liegt auch häufig daran dass sie mit den ganzen vielen Eindrücken überfordert sind, daher ist es vollkommen ok, sie auch mal „ausheulen“ zu lassen
    – es hilft auch mit anderen Kindern, die in der gleichen Situation sind zu reden, und zu fragen wie sie damit umgehen
    – vor der Fahrt mit den Eltern (alleine ohne Kind) reden und nach Heimweh fragen. Man erkennt meistens schon an den Eltern, wie Heimweh in der Familie gehandhabt wird und geben Tipps wie man das Heimweh des Kindes lindern kann. Wichtig ist, dass dieses Gespräch alleine ohne das Kind stattfindet, da Kommentare wie „Mein Sohn/Meine Tochter wird sowieso Heimweh bekommen“ für ein Kind nicht sonderlich fördernd sind. Eltern sollten das Thema Heimweh zu Hause ansprechen, sie sollten dem Kind sagen, dass es jederzeit nach Hause kommen kann (dauert aber da das Lager weiter entfernt ist) aber auch dass es dann viele schöne Stunden mit den Freunden verpasst. Für manche Kinder reicht der Gedanke schon aus eine Möglichkeit zu haben nach Hause zu kommen. Auch sollten Eltern „Heimweh“ NIEMALS dann erwähnen wenn sie sich von ihren Kindern verabschieden. Wir hatten diesen Fall mehrmals… Kind vorher noch fröhlich und freudig, dann hat es die Mutter umarmt, die dann so was wie „wir werden dich alle so vermissen zu Hause, passt auf dass du kein Heimweh bekommst“ geredet hat und schon hat das Kind geheult, weil es überfordert war sich zwischen seiner Familie (es wollte die Mutter ja nicht enttäuschen) und dem Wunsch aufs Zeltlager zu gehen

    GENERELL würde ich sagen: wenn die Kinder heulen wegen Heimweh, sich Zeit nehmen und „ausheulen“ lassen, dass ist einfacher als die Gefühle zu unterdrücken, danach zu hören (was braucht das Kind jetzt? Reicht ein Kuscheliger? Ein Anruf zu Hause? Eine extra Beschäftigung (Malen, Helfen in der Küche etc)?

    (Ich bin selbst kein Psychologe und jedes Kind ist anders.)

  2. Ich hab unsere Kids (7 & 8) befragt, wie sie mit Heimweh umgegangen sind: ihnen hat jeweils geholfen Zuhause anzurufen und ein weiches Kuscheltier von einer anderen Teilnehmerin zu bekommen.

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