In der Sackgasse

Ich denke schon lange darüber nach, diese Geschichte als eine Art „verlorener Sohn“ zu veröfentlichen. Auf der Jungscharfreizeit hat mich eine Geschichte, die ein früherer Freizeitmitarbeiter, der als Besucher da war, auf eine ganz andere Idee gebracht.

Ihr bekommt heute eine Geschichte, die ihr als verlorener Sohn (Lukas 15,11–32), über die Früchte des Geistes (Galater 5,22) oder als Mitarbeitendenandacht zum Thema Geduld mit schwierigen Teilis verwenden könnt.
Die orangenen Abschnitte legen mehr Wert auf die Umkehr, die grünen mehr auf die Früchte des Geistes. Der blaue Abschnitt ist für Mitarbeitende wichtig. Für die würde ich eher auf die Früchte eingehen.

Neulich hat ein früherer Freizeitmitarbeiter von einem früheren Freizeitteilnehmer erzählt, an den ich mich auch erinnere.

An die Geschichte, die Matthias erzählt hat, kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber an eine ähnliche Begebenheit.

Er war ein, sagen wir mal „etwas anstrengender“ Teilnehmer. Leicht reizbar. Und er fühlte sich ständig ungerecht behandelt, obwohl die Mitarbeiter iversuchten, so fair wie möglich zu sein.

In einer Jungscharstunde war der Junge mal wieder ohne erkennbaren Grund ausgerastet. Er rannte aus dem Jungscharraum und quer durch die Ortschaft. Einer seiner Mitarbeiter war immer ein paar Schritte hinter ihm. Der Junge schrie „Lass mich in Ruhe“ – da hielt der Mitarbeiter ein bisschen mehr Abstand. Aber er blieb an ihm dran. Irgendwann war das Dorf zu Ende. Der Mitarbeiter war immer noch, mit etwas Abstand, aber in Sichtweite, hinter dem Teilnehmer.

Ein paar hundert Meter vom Ortsschild entfernt war ein alter, verlassener Steinbruch. Man konnte dort problemlos hinein und ein paar alte Förderbänder waren ein prima Abenteuerspielplatz für die Kinder des Dorfes, ganz ungefährlich war die ganze Sache allerdings nicht.

An der einen Seite ging es fast ebenerdig in die Grube. Dort fuhren früher die Fahrzeuge rein, die die Steine abtransportierten. Die anderen Seiten waren jedoch von 10 bis 15 Meter hohen, steilen Felswänden umgeben. Was im Umkehrschluss bedeutete, dass der Teilnehmer nicht mehr weiter konnte. Das hatte er nicht bedacht. Er saß in der Sackgasse

Er hatte im Übrigen auch seine überschüssige Energie abreagiert und schon wieder vergessen, warum er sauer war. Also ließ er sich von seinem Mitarbeiter zurück in die Jungscharstunde bringen.

Später stellte der Teilnehmer fest, dass der Weg vom Mitarbeiter weg über einen Kilometer war. Der Weg zurück aber nur wenige Meter.

Dieser Teilnehmer hat irgendwann kurz darauf Jesus als seinen Herrn anerkannt. Er betete mit seinem Jungscharmitarbeiter, dass er den Heiligen Geist in sein Herz lassen wollte. Er nahm sich vor: Ich will mich verändern. Er wollte das tun, was Jesus in der Bibel als gut definiert hat.

Er wurde ganz brav und hatte keine Wutausbrüche mehr.

Und wenn er nicht gestorben ist, dann lebt er noch heute.

Nein. Ganz so war es nicht. Er war immer noch gelegentlich zornig und konnte seine Mitarbeiter zur Weißglut treiben. Und er dachte: „jetzt mag mich Jesus nicht mehr.“ Das sagte er irgendwann seinem Mitarbeiter. Der beruhigte ihn: Keine Angst. Jesus vergibt dir deine Fehler immer noch. Probier nur weiterhin, das zu tun was Jesus will. Wenn du Fehler machst ist das schlecht. Aber der Heilige Geist wird dich von innen heraus verändern. Das passiert langsam. Genau so wie wenn eine Frucht am Baum wächst. Die ist ja auch nicht von heute auf morgen da, oder?“

Und der Mitarbeiter sollte recht behalten. Im Lauf der Zeit wurden die Wutausbrüche weniger. Er spürte die Veränderung. Immer, wenn er etwas tat, von dem er wusste, dass Jesus es nicht wollte, betete er: „Jesus, vergib mir was ich falsch gemacht habe. Bitte verändere mich immer weiter zum Guten.“

Wenn er trotzdem wieder mal Fehler machte, dachte er an die Situation im Steinbruch zurück. Er wusste: Egal wie weit ich von Jesus wegrenne, er bleibt bei mir. Genau wie damals bei meinem Mitarbeiter muss ich mich nur wieder umderehen und um Verzeihung bitten. Und das tat er auch. Immer wieder.

Irgendwann wurde der Teilnehmer selbst Mitarbeiter. Er hatte viele Teilnehmer im Lauf der Jahre. Auch welche, die so schwierig waren wie er selbst früher. Er wusste: Jesus kann auch ihnen die Schuld vergeben und jeden einzelnen Teilnehmer zum Guten verändern.

Manchmal verhält sich dieser frühere Teilnehmer immer noch falsch. Wenn das passiert, bittet er Jesus immer noch um Vergebung. Und Jesus vergibt ihm immer noch.

Nach über 30 Jahren wachsen die „Früchte des Geistes“ immer noch in ihm. Ganz brav im klassischen Sinn ist er nie geworden.

Er erzählt immer noch in der Jungschar, wie sehr Gott jeden einzelnen Menschen liebt,und wie er sie verändern kann.

Er macht sogar eine Internetseite mit Ideen für andere Mitarbeitende. Und das nur, weil vor vielen Jahren ein anderer Mitarbeiter Geduld mit einem schwierigen Teilnehmer hatte. Versucht also, auch eure schwierigen Teilis zu lieben, auch wenn das manchmal schwer fällt.

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